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Biografien

Hedwig Dohm

geb. Jülich
geboren am 20. September 1831 in Berlin
gestorben am 1. Juni 1919 in Berlin

deutsche Schriftstellerin und feministische Theoretikerin

Hedwig Dohm kommt als Marianne Adelaide Hedwig, drittes Kind und älteste Tochter des jüdischen Tabakfabrikanten Gustav Adolph Schlesinger und seiner Frau Wilhelmine Henriette Jülich, zur Welt.

1851 ließ der Vater, nach seiner evangelischen Taufe 1817, den Namen Schlesinger zu Schleh abändern.

Dohm war eine Frauenrechtlerin, die gleiche Bildung und Ausbildung von beiden Geschlechtern forderte. Auch kämpfte sie für Frauenstudium und Frauenstimmrecht. Sie wollte Frauen die Möglichkeit geben, einen Beruf nachzugehen.

Sie selbst kritisierte zeitlebens, dass ihr nicht die gleichen Bildungsmöglichkeiten offenstanden wie ihren Brüdern. Im Alter von 15 Jahren musste Hedwig Dohm die Schule verlassen. Eine Ausbildung blieb ihr, anders als ihre nachgeborenen Schwestern, verwehrt. Die schlechte Schulbildung Dohms darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass sie eine geniale Autodidaktin war. Dies beweist allein schon ihre erste größere Publikation: eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Spanischen Literaturgeschichte.

Mit Wilhelm Friedrich Ernst Dohm, leitender Redakteur beim Satireblatt "Kladderadatsch", gründete sie 1853 eine Familie, aus der drei Kinder hervorgingen.

Von 1872 bis 1879 erscheinen ihre ersten feministischen Essaybände, die ihr eine gewisse Bekanntheit bescherten. Grundsätzlich betrachtet, hatte Dohm in den ersten ein, zwei Jahrzehnten als Autorin schlicht kein öffentliches Forum für Auftritte. Auch die bürgerliche Frauenbewegung unterstützte Dohm wenig. Sie war ihnen zu radikal. Anschluss und auch Anerkennung fand sie letztlich beim radikalen Flügel der Frauenbewegung.

Dohm lebte bis zu ihrem Tod im Haus ihrer Tochter. 1918 bekamen Frauen das Wahlrecht.

 

Else Lasker- Schüler

geboren am 11. Februar 1869 in Elberfeld, Westfalen
gestorben am 22. Januar 1945 in Jerusalem

deutsche Schriftstellerin

Else Lasker-Schüler war eine deutsch-jüdische Dichterin des 20. Jahrhunderts, die sich sowohl künstlerisch als auch menschlich immer wieder neu erfand. Dazu nutzte sie frei erdachte Identitäten wie die des Prinzen Jussuf von Theben. Auch als Zeichnerin machte sie sich einen Namen. Heute gilt Else Lasker-Schüler als wichtige Vertreterin des deutschsprachigen Expressionismus.

Das Exil traf sie hart und unvermittelt, nach einem Angriff einer SA-Truppe auf offener Straße (1933) – sie hatte diese mit dem Ansinnen eines provokanten Liedes gereizt –.

Am 19. April 1933 verließ Lasker-Schuler (64-jährig) Deutschland. Ihr Ziel war die Schweiz, da sie das Nachbarland gut kannte und hier um Freunde wusste. Über sechs Jahre lang lebte sie in der Schweiz.  Da sie jedoch nur geduldet wurde, war die Zeit geprägt vom stetig wiederkehrenden Kampf um Aufenthaltsgenehmigungen. In finanzielle Not kam sie letztendlich durch das festgesetzte Arbeitsverbot. Ausgleichend wirkten die finanziellen Hilfeleistungen vom Jüdischen Kulturbund sowie von Privatpersonen. Ihre dritte Palästinareise wurde 1939 zu einer Reise ohne Rückkehr nach Europa. Die Schweizer Behörden verweigerten die Wiedereinreise.

In Palästina pflegte Lasker-Schüler zahlreiche Kontakte zu deutschsprachigen Intellektuellen, nahm Teil am kulturellen Leben und gründete 1942 die Vortragsvereinigung "Kraal" - und doch blieb Israel ihr fremd. Der Alltag hatte gezeigt, dass es nicht das verheißungsvolle Land ihrer Träume war. Bis zum Schluss hatte sie Sehnsucht nach ihrem alten Leben, ihren Freunden und dem Selbstverständnis ihrer Sprache. Ihr Werk umfasst zahlreiche Gedichte, Erzählungen und einige Dramen.

 

Vicki Baum

geb. Hedwig Baum, verh. Hedwig Lert
geboren am 24. Januar 1888 in Wien
gestorben am 29. August 1960 in Hollywood / Los Angeles

österreichisch-deutsch-US-amerikanische Schriftstellerin, Harfenistin

Baum ist die Tochter eines jüdischen Beamten. Schon als Schülerin schreibt sie kurze Geschichten. Nach dem Pädagogium in Wien studiert Baum von 1904 - 1910 an der Hochschule für Musik und ist Harfenistin des Symphonieorchesters des Wiener Konzertvereins.

1906 heiratet sie den Journalisten Max Preis, für den sie, neben ihren Beruf als Musikerin, journalistisch arbeitet. Ihre Karriere als Schriftstellerin beginnt unter den Namen ihres Ehemanns „Preis“. Für Baum stellte das Schreiben eine gute Verdienstmöglichkeit dar.

Ab 1912 engagiert sich Baum als Harfenistin am Darmstädter Hoftheater. 1916 heiratet Baum den Dirigenten Richard Lert und bekommt 2 Kinder. Baum gibt ihre Musikkarriere auf und ist fortan journalistisch und literarisch tätig.

Ab 1926 ist sie Redakteurin für die Berliner „Illustrierte Zeitung“, „Die Dame“ und „UHU“ aus dem Berliner Ullstein Verlag.

Baum veröffentlicht 1928 ihren(sehr erfolgreichen) Roman "Stud. Chem. Helene Willfüer", gefolgt von „Menschen im Hotel“ (1929), der auch ins Englische übersetzt wurde. Der Roman beschreibt das Eindringen von Frauen mit höherer Bildung in die männliche, akademische Arbeitswelt und thematisiert das neue Selbstbewusstsein und Lebensgefühl der "modernen" Frau in der Weimarer Republik.

1930 wird „Menschen im Hotel“ in Berlin im Theater am Nollendorfplatz von Max Reinhardt uraufgeführt. Die Theateradaption erobert die Bühnen Europas und Nordamerikas, wo es auch am New Yorker Broadway erfolgreich inszeniert wird.

 

Alice Salomon

geboren am 19. April 1872 in Berlin
gestorben am 30. August 1948 in New York

deutsche Sozialpädagogin, Sozialpolitikerin, Volkswirtin und Frauenrechtlerin

Alice Salomon wuchs als viertes Kind einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie in Berlin auf. Ihr Wunsch, Lehrerin zu werden, wurde ihr verweigert.

1893 nahm sie an einer Gründungsversammlung der Berliner „Mädchen- und Frauengruppe“ für soziale Hilfsarbeit teil. Von da an arbeitete sie im sozialen Bereich.

1906 promovierte Salomon an der Berliner Universität im Fach Volkswirtschaftslehre. 1908 wurde sie Mitgründerin und Leiterin der sozialen Frauenschule Berlin. Ihre Aufgabe war es, junge Mädchen professionell und systematisch auf die soziale Hilfstätigkeit vorzubereiten. Die heutige Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Berlin ist eine Nachfolgeeinrichtung der Sozialen Frauenfachschule.

Zu einer weiteren zentralen Lebensaufgabe gehörte ihr Engagement in der deutschen und internationalen Frauenbewegung. Von 1900 bis 1920 wirkte sie aktiv im Vorstand des Bundes der Deutschen Frauenvereine. Aufgrund antisemitischer Strömungen im Verband wurde ihr der Vorsitz verwehrt. International hingegen wurde ihr Engagement deutlich positiver und ohne Vorbehalte gewürdigt. 1925 gründete Alice Salomon mit der „Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit“ eine Einrichtung zur Fortbildung von Führungskräften der Sozialarbeit. Ein wesentlicher Schritt zur Verberuflichung der sozialpädagogischen Tätigkeiten.

Zu ihrem 60. Geburtstag noch hoch geehrt, verlor Salomon ein Jahr später alle Ämter. 1937 stellte die Gestapo sie vor die Wahl ins Konzentrationslager zu gehen oder zu emigrieren.

Sie starb in New York.

 

Clara Haskil

geboren am 7. Januar 1895 in Bukarest
gestorben am 7. Dezember 1960 in Brüssel

rumänische Pianistin

Bereits mit zehn Jahren wurde Clara Haskil am Konservatorium in Paris unterrichtet. Im Alter von fünfzehn Jahren beendet sie dort ihr Studium mit einem Ersten Preis. Die Annahme, dass sie nun Karriere machen wird, erfolgte jedoch nicht reibungslos. Viel eigene Unsicherheit und eine frühe Erkrankung, die sie nie ganz los ließ, erschwerten den Weg zum Ruhm.

Erst ab 1950 konnte sich Clara Haskil beim Publikum durchsetzen, zahlreiche Schallplattenaufnahmen dokumentieren ihre späte Weltkarriere und ihr einzigartiges Können.

Clara Haskil spielte einfühlsam und intelligent, verstand sich als Dienerin der Musik. Nicht sie setzte sich in den Mittelpunkt des Konzerts, sondern ihr Spiel und ihre Interpretation setzten den Komponisten in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Dabei waren ihre Vorträge geprägt von Energie, Vitalität und Kraft.

Ein Sturz auf der Bahnhofstreppe in Brüssel führte zu ihrem Tod.

 

Rosalind Franklin

geboren am 25. Juli 1920 in London
gestorben am 16. April 1958 in London

britische Molekularbiologin

Rosalind Franklin entstammte einer angesehenen jüdischen Familie in England: Ihr Vater Ellis Franklin war Bankier und ihre Mutter Muriel entstammte einer Familie aus Intellektuellen und Akademiker*innen. Beide Elternteile legten größten Wert auf eine gute Schulausbildung und Allgemeinbildung ihrer fünf Kinder. Zahlreiche, ins Ausland gehende, Reisen mit den Kindern unterstützten den elterlichen Erziehungsanspruch.

Rosalind, die Zweitälteste in der Geschwisterriege, zeigte bereits im Grundschulalter ein lebhaftes Interesse an Naturwissenschaften.

Als Rosalind Franklin im Alter von 37 Jahren (1958) an Krebs verstarb, konnte sie auf zahlreiche, bahnbrechende Forschungsarbeiten im Bereich der Biophysik und der Kristallographie zurückblicken. Ihre Grundlagenforschung verhalf den Forschern Crick, Watson und Wilkins zum Nobelpreis für Medizin im Jahr 1962.

Erwähnung findet sie hingegen in der Literatur als Wilkins‘ Assistentin, wenn sie überhaupt irgendeine Art von Beachtung erfährt. Dabei war sie ab 1950 neben Wilkins als Expertin an das Londoner King’s College eingeladen worden.

Ihre Aufgabe war es eine eigene, Röntgen diffraktometrische, Abteilung aufzubauen, damit die laufenden DNA-Analysen verbessert und beschleunigt werden konnten.

 

Sara Benedicts

geboren am 23. Oktober 1861 in Amsterdam
gestorben am 12. November 1949 in Amsterdam

niederländische Pianistin und Musiklehrerin

Sara Benedicts wurde in eine jüdische Familie hineingeboren und war die Älteste von fünf Kindern. Die Mutter war Modistin, der Vater Musikdozent für Geige und Piano. Sie bekam sehr früh ihr eigenes Klavier. Talentierte Künstler*innen wurden in damaligen Zeit zu weiteren Studien ins Ausland geschickt. Das konnten sich die Eltern Benedicts jedoch finanziell nicht leisten. Allerdings gelang es ihnen ihre begabte Tochter für ein königliches Stipendium vorzuschlagen. Sara Benedicts gehörte 1877 zum Kreis der Stipendiatinnen und wurde eine „pensionnaire“. Sie ging nach Köln.

1880 kehrte sie nach Amsterdam zurück, wo sie als Pianistin debütierte und auch ihren späteren Ehemann, den Cellisten Henri Bosmans, kennenlernte. Mit ihm hatte sie eine Tochter, die Komponistin und Pianistin Henriette Bosmans. Während Sara Benedicts sich nach dem Tod ihres Ehemanns fast vollständig aus dem Konzertbetrieb zurückzog, wachte sie jedoch genauestens über die Karriere ihrer Tochter.

Während der deutschen Besatzung ab 1940 meldete sie sich als „Volljüdin“ (ohne Religionszugehörigkeit) an und zog sich aus Angst zunehmend in den häuslichen Bereich zurück. Am 1. April 1944 wurde jedoch auch sie verhaftet und ins Durchgangslager Westerbork gebracht.

Der unermüdliche Einsatz ihrer Tochter um Freilassung ist es zu verdanken, dass Sara Benedicts am 5. April 1944 zusammen mit neun anderen Niederländerinnen aus „gemischten Ehen“ freikam.

 

Cordelia Edvardson

geboren am 1. Januar 1929 in München
gestorben am 29. Oktober 2012 in Stockholm

deutsch-schwedisch-israelische Journalistin und Schriftstellerin

Cordelia Edvardson war die nicht-eheliche Tochter der Schriftstellerin Elisabeth Langgässer und wurde im Berliner Haushalt ihres Stiefvaters sehr streng katholisch erzogen. Ihre Eltern wollten sie schützen und ließen eine Adoption ihrer Tochter in Spanien zu.

Zur Absicherung der Zahlung von Alimenten wurde der Name ihres jüdischen Vaters in ihre Geburtsurkunde eingetragen. Ein verhängnisvoller Schritt, wie die Biografie später belegt. Die Nazi-Rassengesetze zerstörten ihre Kindheit und zum Schutz ihrer Tochter ließen die Eltern eine Adoption ihrer Tochter zu (1943). Diesen Adoptionsvertrag entdeckten die Nazis, was einem Hochverrat ihrer Mutter gleichkam. Zur Rettung ihrer Mutter nahm Edvardson wieder die deutsche Staatsbürgerschaft an und entlastete ihre Mutter durch die Unterzeichnung von Dokumenten.

Kurze Zeit danach kam Cordelia Edvardson zunächst nach Theresienstadt und später nach Auschwitz, wo sie dem KZ-Arzt Mengele zugeteilt wurde und die von ihm durchgeführten Selektionen protokollieren musste.

 

1945 kam die Rettung durch das Rote Kreuz. Sie ging nach Schweden, wo sie ihren Lebensunterhalt als Journalistin verdiente.

Um ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten, schrieb sie das Buch „Gebranntes Kind sucht das Feuer“ (Erscheinungsjahr 1984 in Schwedisch, 1986 in Deutsch.)

1974, während des Jom-Kippur-Krieges, übersiedelte Edvardson nach Israel und blieb bis 2006 in ihrer Wahlheimat. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2012 wohnte sie in Stockholm.

 

Mileva Einstein-Maric

geboren am 19. Dezember 1875 in Titel, Serbien
gestorben am 4. August 1948 in Zürich

serbische Mathematikerin und Physikerin

Mileva Maric wurde 1875 in eine wohlhabende Familie hineingeboren. Ihre Eltern förderten sie und ermöglichten ihr den Besuch von exklusiven Schulen. Später erhielt sie Privatunterricht. In Zagreb war sie das einzige Mädchen mit einer Zulassung für das Obergymnasium. Nachweislich hatte sie exzellente Noten in Mathematik und Physik. Als Achtzehnjährige beschloss sie in die deutschsprachige Schweiz zu gehen, da hier Frauen zum Studium zugelassen waren. Mileva Maric bewährte sich trotz aller Hindernisse, denn Frauen wurden in ihrem Studium nicht so gefördert wie männlichen Kommilitonen:

Am Polytechnikum in Zürich lernte sie Albert Einstein kennen, der im gleichen Jahr sein Studium begann.

Trotz aller bezeugten Brillanz in der Forschung und mehreren Versuchen die akademischen Prüfungen abzulegen, blieb ihr das Diplom verwehrt. Aus heutiger Sicht liegt bei Betrachtung der Prüfungsergebnisse und Vergleichen der Abschlussergebnisse mit männlichen Kommilitonen die Vermutung mehr als nahe, dass Mileva Maric unter Sonderbedingungen ihre Prüfungen ablegen musste.

Zum Zeitpunkt der Wiederholungsprüfung war Maric bereits von Einstein schwanger. 1902 gebar sie ein Mädchen, das Albert Einstein nie sah und auch nicht formal juristisch als sein Kind anerkannte. 1903 heirateten Maric und Einstein. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, die Einstein-Maric aufzog während Einstein seine Forschungen und wissenschaftlichen Arbeiten weiterführte. 1916 ließen sie sich scheiden. Mileva Einstein erhielt Einsteins Nobelpreisgeld.

1925 bat sie Einstein um Zustimmung zur Veröffentlichung ihrer Autobiographie, die er mit ausgesprochen hoher Vehemenz ablehnte. Mileva Einstein-Maric hielt sich an dieses Redeverbot, doch kurz vor ihrem Tod (1948) soll sie sich in einem Brief geäußert haben: Albert habe sie um ihr Lebensglück, ihre wissenschaftliche Arbeit und um ihre finanzielle Sicherheit im Alter beraubt.

 

Mascha Kaléko

geb. Golda Malka Aufen, verheiratet in zweiter Ehe: Mascha Vinaver
geboren am 7. Juni 1907 in Chrzanów (Schidlow), Galizien, Polen
gestorben am 21. Januar 1975 in Zürich, Schweiz

polnische Dichterin

Mascha wird in Chrzanów geboren. Im Alter von sieben Jahren (1914) wandert sie mit ihrer Familie nach Deutschland aus, wo der Vater aufgrund seiner russischen Staatsbürgerschaft in Gewahrsam genommen wird. 1928 heiratet sie den Journalisten und Philologen Saul Aron Kaléko. Zehn Jahre später ließ sich das Paar scheiden.

1929 werden erste Gedichte von ihr veröffentlicht. Weitere Publikationen folgen.

1933 erscheint ihr erstes Buch „Das lyrische Stenogrammheft“ im Rowohlt Verlag Berlin, das sich großer Beliebtheit erfreute. Als die Nazis die Texte verboten, wurden sie abgeschrieben und heimlich verbreitet.

1935 bekommt Mascha Kaléko von den Nationalsozialisten ein Schreibverbot auferlegt und verliert somit ihren Beruf als Schriftstellerin.

1936 wird ihr Sohn geboren. Den leiblichen Vater, den Musikwissenschaftler und Dirigenten Chemjo Vinaver heiratet sie 1938, behält aber weiterhin ihren Nachnamen Kaléko. Um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entkommen, wandert sie mit ihrer Familie nach New York aus. Hier konnten sie beide in ihrem eigentlichen Metier nicht recht Fuß fassen. Hinzu kam, dass die Freude über den Sohn von der Erkenntnis getrübt wurde, nicht mehr kreativ arbeiten zu können. 1955 unternimmt Mascha Kaléko ihre erste Deutschlandreise nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Schriftstellerin lehnt 1959 den Fontane-Preis ab, weil das Jurymitglied Hans Egon Holthusen bei der SS war. Im gleichen Jahr geht sie nach Jerusalem.

Ihre letzte Lesung hält Kaléko 1974 in der Amerika-Gedenkbibliothek in Berlin bevor sie 1975 in Zürich stirbt.

 

Elisabeth Félix, genannt Rachel

geboren am 28. Februar 1820 (oder 1821) in Mumpf, Schweiz
gestorben am 3. Februar 1858 in Cannet, Südfrankreich

französische Theaterschauspielerin

Elisabeth Félix, genannt Rachel, wuchs mit fünf Geschwistern in einer jüdischen Hausiererfamilie auf und gemeinsam zogen sie durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich. In Cafés und Bars verdiente sie als „Sängerin“ und im Aufsagen von Gedichten Geld. Nach diesen ersten „Bühnenerfahrungen“ im Kindesalter, nahmen ihre Auftritte immer mehr Professionalität an. Bereits im jugendlichen Alter von 16 Jahren konnte Rachel ihre Familie durch ihre Theatervorstellungen ernähren.

Mit 17 Jahren avancierte sie zum gefeierten Jungstar der Comédie Française.

Sie gilt nach wie vor als die größte Tragödin der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Während der gut 20 Jahre ihrer beispiellosen Bühnenkarriere erweckte Rachel das klassische französische Schauspiel des 17. und 18. Jahrhunderts zu ganz neuem Leben.

Den wiederkehrenden Streitigkeiten mit dem Theaterdirektor über ihren „skandalösen“ Lebenswandel begegnete sie zunächst mit Theatertourneen durch die Provinz, später führten sie ihre Tourneen auch ins Ausland. Von ihrer letzten Tournee durch Amerika kam sie erschöpft und tuberkulosekrank zurück. Sie starb mit 37 Jahren, hinterließ zwei Söhne, keinen Ehemann, ungezählte Liebhaber und ein Millionenvermögen.

 

Elisabeth Bergner

geb. Elisabeth Ettel
geboren am 22. August 1897 in Drohobycz, Galizien
gestorben am 12. Mai 1986 in London

österreichisch-englische Schauspielerin und Regisseurin

Elisabeth Bergner feierte unter Max Reinhard große schauspielerische Erfolge auf der Bühne des Deutschen Theaters. Ihre zehnjährige Zugehörigkeit zur Berliner Theaterszene (seit 1922) folgte auf Engagements in Zürich, Wien und München. In Wien aufgewachsen, wurde sie auch zur Theaterschauspielerin ausgebildet. In Rollen zerbrechlicher und zugleich burschikoser Frauen wirkte „die Bergner“ auch in Stummfilmen unter der Regie von Conrad Veidt, Paul Czinner und Alexander Granach. Für Politik zeigte sie zu dem Zeitpunkt keinerlei Interesse und unterschätzte die Auswirkungen der Machtergreifung der Nazis auf ihre Arbeit. Von einem Engagement bei Alexander Korda in London (1933) kehrte Elisabeth Bergner nicht wieder zurück an die Berliner Bühne. Die Leitung des Staatlichen Schauspielhauses hatte ihr – als Jüdin – nahegelegt, am Jüdischen Theater zu spielen. Während der Kriegsjahre und den darauffolgenden Jahren gehörte Bergner zu denjenigen Exilant*innen, die auf Englisch Arbeit fanden. In London spielte sie Film- und Theaterrollen. Mit Beginn des Krieges zog sie in die USA und feierte Erfolge an den New Yorker Bühnen. Sie engagierte sich in Exilantenkreisen und war eine Mitunterzeichnerin der Grundsatzerklärung des Council for a Democratic Germany.

1951 kehrte sie nach Europa, London, zurück. Nur vereinzelt nahm sie Engagements in Deutschland an. Bis zu ihrem Tod war London ihr Lebensmittelpunkt.

 

Charlotte Bühler

geb. Charlotte Berta Malachowski
geboren am 20. Dezember 1893 in Berlin
gestorben am 5. Februar 1974 in Stuttgart

deutsch-US-amerikanische Psychologin

Charlotte Bühler, geborene Malachowski, wurde 1893 in eine Berliner Architektenfamilie hineingeboren. Bereits mit 13 Jahren begann sie sich für das Fach Psychologie zu interessieren. Im Jahr 1916 heiratete sie ihren Universitätslehrer, den Sprachpsychologen Karl Bühler. 1918 wurde Charlotte Bühler in München zur Doktorin der Psychologie ernannt. Noch im gleichen Jahr reichte sie in Dresden ihre Habilitationsschrift ein. Als ihr Mann einem Ruf als Professor an das Psychologische Institut der Universität Wien folgte, ging sie mit ihm nach Wien und wurde hier 1929 auf einen Lehrstuhl berufen.

Das Institut erlangte internationalen Ruf, was nicht zuletzt Charlotte Bühlers Arbeiten zur Kinder- und Jugendpsychologie zu verdanken ist. In Dresden hatte Charlotte Bühler in ihrem 1922 erschienenen Buch „Das Seelenleben des Jugendlichen“ die bis dahin bestehende Lücke der Jugendpsychologie aus entwicklungspsychologischer Sicht geschlossen. Darin hatte sie Neuland beschritten, als sie anhand von Tagebüchern typische Entwicklungs- und Reifephasen von jungen Mädchen und Jungen feststellte.

Das Ehepaar Bühler lehrte in Wien, bis es aufgrund von Charlotte Bühlers jüdischer Abstammung über Oslo und London in die USA emigrierte. 1938 wurden sowohl Charlotte als auch Karl Bühler an die Fordham University nach New York berufen. In den USA arbeitete Charlotte Bühler sowohl wissenschaftlich als auch therapeutisch weiter und gemeinsam mit ebenfalls bekannten Forscherkollegen entwickelte sie in den Folgejahren die Humanistische Psychologie, die darauf angelegt ist, das individuelle Durchlaufen menschlicher Bedürfnisse zu unterstützen. Aus der fast 50-jährigen Ehe zwischen Charlotte und Karl Bühler gingen zwei Kinder hervor, zu denen Charlotte Bühler kurz vor ihrem Tode nach Deutschland zurückkehrte.

 

Zuzanna Ginczanka

eigentl. Zuzanna Polina Ginzburg
geboren am 15. März 1917 in Kiew
gestorben am im Winter 1944 in Krakau

polnische Dichterin

In Rowno, eine ostpolnische, kleine Grenzstadt, wächst Ginczanka bei ihren Großeltern auf. Hier wird russisch gesprochen Die polnische Sprache lernt sie aus freien Stücken. Ab der 5. Klasse schreibt sie bereits Gedichte. Ihrem dichterischen Vorbild Julian Tuwim schickt sie ihre Gedichte und er ermutigt sie zur Teilnahme an einem literarischen Wettbewerb. Sie wird ausgezeichnet.

Mit ihrem Umzug nach Warschau begann für Ginczanka auch das Bohèmeleben und sie wurde zu einer Legende des Warschauer Künstler*innenmilieus der Zwischenkriegszeit.

Allerdings währte ihr Leben nur kurz.

Als die Nazis 1939 Polen überfallen, flieht sie nach Lemberg und verdient ihr Geld als Übersetzerin. Sie entgeht den ukrainischen Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung. Anfang 1940 heiratet sie einen Kunsthistoriker. Gemeinsam ziehen sie 1942 nach Krakau. Ihr Mann und ihr Geliebter werden zwei Jahre später hingerichtet.

1944, ihr erster Gedichtband erschien gerade, wurde sie von der Gestapo aus ihrem Krakauer Versteck abgeholt und kurz darauf ermordet.

 

Dore Jacobs

geb. Marcus
geboren am 27. Juni 1894 in Essen
gestorben am 5. März 1979 in Essen

Deutsche Reformpädagogin

Gründerin der Schule für Körperbildung und rhythmische Erziehung in Essen

Dore Jacobs wuchs als Tochter des jüdischen Juristen und Philosophen Ernst Marcus und seiner Frau Berta (geborene Auerbach, 1869–1918), Gründerin eines Vereins zur Verteidigung der Frauenrechte, in Essen auf.

Sie studierte an der Dresdner TH Mathematik und Physik und in Dresden-Hellerau an der Schule Émile Jaques-Dalcroze Rhythmik und Gehörbildung. Ihr Examen machte sie dort 1913.

1914 heiratete sie den Mathematiker, Pädagogen und Philosophen Artur Jacobs. Gemeinsam gründen sie den Bund „Gemeinschaft für sozialistisches Leben“.

1925 gründete sie die Bundesschule für Körperbildung und rhythmische Erziehung. Die Schule wurde 1934 von den Nazis geschlossen.

Dore Jacobs überlebte im Untergrund mit Hilfe des Bundes. Nach Kriegsende arbeitet sie als Lehrerin an den wiedereröffneten Schulen.

 

Alma Rosé

geboren am 3. November 1906 in Wien
gestorben am 5. April 1944 in Auschwitz

österreichische Violinistin

Alma Rosé stammte aus einer sehr bekannten Wiener Musiker-Familie. Schon im jungen Alter wollte sie Geigerin werden und bekam Unterricht vom Vater. Vor ihrem 13. Geburtstag wurde sie von der Schule genommen, um sich auf das Wiener Konservatorium vorzubereiten.

Im Juni 1922 hatte Alma Rosé ihr Debüt als Solistin im Kurhaus in Bad Ischl, kurz nach ihrem 20. Geburtstag 1926 ihr Wiener Debüt. Dort spielte sie mit ihrem Vater das Doppelkonzert von Bach.

Als Solistin, der für sie erstrebenswerteste künstlerische Status, trat sie bei diversen Veranstaltungen auf, oft wurde sie mit ihrem Vater verglichen. Doch es gelang ihr die Kritiker von sich zu überzeugen und aus dem Schatten des Vaters herauszutreten.

Im September 1930 heiratete sie den tschechischen Star-Geiger Váša P?íhoda. 1936 wurde die Ehe geschieden. Sie gründete die “Wiener Walzermädeln”, ein Frauen-Tourneeorchester, das seinen ersten Auftritt Anfang 1933 in Wien hatte. Anschließend konzertierte das Tourneeorchester europaweit. Ab 1934 trat Alma Rosé als Solistin auf.

1938 floh Alma Rosé im letzten Moment nach London.

1939 konnte sie im neu gegründeten Rosé-Quartett als zweite Geigerin mitmusizieren. Solos blieben ihr aufgrund der Aufenthaltsbestimmungen verwehrt. Für einige Monat ging sie auf Tournee in die Niederlande und verdiente ausreichend Geld für sich und den Vater. Ihre Rückkehr nach London wurde durch die deutsche Besetzung der Niederland unmöglich. Mit Hauskonzerten konnte sie sich über Wasser halten.

Sie wollte nicht untertauchen und im Verborgenen leben und wurde bei ihrem Versuch - über Frankreich in die Schweiz zu fliehen - aufgegriffen und ins Internierungslager in Drancy gebracht, dann nach Auschwitz. In beiden Lagern leitete sie zeitweilig die Frauenorchester. Alma Rosé starb am 5. April 1944 an den Folgen einer ungeklärten Erkrankung.

 

Else Jerusalem

geb. Elsa Kotányi, wiederverh. Widakovich
geboren am 23. November 1876 in Wien
gestorben am 20. Januar 1943 in Buenos Aires

österreichische Schriftstellerin und Philosophin

Elsa Kotányi wuchs in einem wohlhabenden jüdischen Elternhaus auf. Ab 1893 studierte sie als Gasthörerin an der Universität Wien.

Else Jerusalem gilt als eine der Protagonistinnen der Bürgerlichen Frauenbewegung und erlangte Bekanntheit mit Schriften, die zu ihrer Zeit als gewagte Themen (z.B. Sexualerziehung, Prostitution) verstanden wurden. Ihr Hauptwerk, der Roman Der heilige Skarabäus (1909), wurde 1933 von den Nazis als „Unsittenroman“ tituliert und verboten. Ihr Gesamtwerk kam 1938 kauf die „Liste der schädlichen und unerwünschten Schriftums“.

1901 heiratete sie im Stadttempel in Wien den Fabrikbesitzer Alfred Jerusalem. Ende 1910 folgte die Scheidung. Sie lernte den Universitätsdozenten für Embryologie, Viktor Widakowich, kennen, der eine Berufung als Professor nach Buenos Aires erhalten hatte. Nach der Scheidung von Alfred Jerusalem im Januar 1911 heirateten sie im gleichen Monat und zogen nach Buenos Aires. Im Kontext ihrer Wiederverheiratung ließ sich Else Jerusalem taufen. Else Jerusalem betrieb Buenos Aires neben ihrer publizistischen Tätigkeit auch ethnologische Studien.  

Nach dem Krieg geriet das Schaffenswerk von Else Jerusalem fast vollständig in Vergessenheit. Erst 2016 erschien ihr Hauptwerk Der heilige Skarabäus in einer von der Grazer Germanistin Brigitte Spreitzer herausgegebenen Neuauflage mit einem Nachwort zu Leben und Werk der Autorin.

 

Josepha Judica Mendels

geboren am 18. Juli 1902 in Groningen
gestorben am 10. September 1995 in Eindhoven

niederländische Schriftstellerin

Josefa Mendels war die dritte Tochter der jüdisch-orthodoxen Familie des Lehrers Isidor Mendels und seiner Frau Emma in Groningen und gleich eine Enttäuschung. Erhofft hatten sich die Eltern einen Sohn, der den Familiennamen weiterträgt.

Die Familie lebt nach Regeln des orthodoxen Judentums, was auch immer wieder zu Spannungen zwischen den Eltern führte. Josepha versuchte sich diesen Spannungen durch einen innerlichen und äußeren Rückzug zu entziehen. Unter diesen Bedingungen entstanden erste Geschichten.

Josepha Mendels versuchte mehrfach sich vom Judentum zu distanzieren, doch es gelang ihr nicht wirklich. Sie arbeitete in verschiedenen jüdischen Einrichtungen bis sie, ermutigt von der (jüdischen) Malerin Berthe Edersheim, ihrem Wunsch Schriftstellerin zu werden, folgte.

1936, mittlerweile in Paris lebend und arbeitend, sollte sie bei Kriegsausbruch nur noch unter Pseudonym ihre Zeitungsbeiträge veröffentlichen. Das lehnte sie ab und begann ihren ersten Roman zu verfassen, der allerdings erst 1947 erschien. Wie auch in allen nachfolgenden Werken spielte ihre Geschichte abwechselnd in Paris und Holland. Kernanliegen für die Schriftstellerin war das Spannungsverhältnis zwischen Unabhängigkeit und Bindung.

Im Jahr 1986 war sie die erste Schriftstellerin, die mit dem Preis der feministischen Literaturkritik, dem Anna-Bijns-Preis, ausgezeichnet wurde. Damit wurde ihr gesamtes schriftstellerisches Schaffen gewürdigt.

 

Kate Steinitz

geb. Traumann
geboren am 2. August 1889 in Beuthen, Oberschlesien (heute Bytom, Polen)
gestorben am 7. April 1975 in Los Angeles, Kalifornien

deutsch-amerikanische Malerin, Fotografin und Leonardo-Expertin

Im oberschlesischen Beuthen geboren und nach Berlin umgezogen, genoss die junge Käthe Traumann eine in den höheren Kreisen ihrer Zeit übliche Ausbildung, mithin ergänzt durch Zeichenkurse bei Käthe Kollwitz und Lovis Corinth.

Nach einem Studienaufenthalt in Paris heiratete sie 1913 den Arzt Dr. Ernst Steinitz. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor. Kriegsbedingt lebte die Familie dann in der Stadt Hannover, die zunehmend auch Ausstellungsort für ihre Gemälde und Fotografien wird. Weitere (auch internationale) Ausstellungsorte kommen dazu.

Hannover selbst macht Käthe Steinitz bald zu einem Treffpunkt der internationalen Avantgarde. Ihre vielfältigen Aktivitäten enden 1933 jäh: Die Eheleute Steinitz dürfen nicht mehr arbeiten und emigrieren in die USA.

Nach 1942 (das Todesjahr ihres Mannes) arbeitet sie zunächst als freie Journalistin und Grafikerin und organisiert Kunstausstellungen. 1944 erhält sie die amerikanische Staatsbürgerschaft und zieht 1945 nach Los Angeles. Dort nimmt sie eine Stelle in der Leonardo-da-Vinci-Bibliothek von Dr. Elmer Belt an und entwickelt sich über die Jahre zu einer ausgewiesenen – und anerkannten Leonardo-Expertin.

Anlässlich des 80. Geburtstags im Jahr 1969 stellt das Los Angeles County Museum eigene Werke und Werke aus der Kunstsammlung von Steinitz aus.

Kate Steinitz stirbt 1975 in Los Angeles.

 

Anni Albers

geb. Annelise Else Frieda Fleischmann
geboren am 12. Juni 1899 in Berlin-Charlottenburg'
gestorben am 9. Mai 1994 in Orange, Connecticut

deutsch-US-amerikanische Textilkünstlerin, Weberin und Druckgrafikerin

Anni Albers zählt zu den renommiertesten Künstler*innen und Lehrenden des Bauhauses, die als Anneliese Fleischmann in eine großbürgerliche Familie hineingeboren und protestantisch getauft wurde. Ihre Mutter, Toni Fleischmann-Ullstein, stammte aus der deutsch-jüdischen Verlegerfamilie Ullstein. Der Vater, Siegfried Fleischmann, war Möbelfabrikant. Während der Schulzeit erhielt sie privaten Kunstunterricht. Sie wollte eine Laufbahn als Künstlerin einschlagen und absolvierte am Berliner Studienatelier für Maler und Plastik eine dreijährige Ausbildung. Nachdem sie als Frau keine Zulassung an der Dresdner Akademie für Malerei erhielt, ging sie an die Hamburger Kunstgewerbeschule.

1923 ging Fleischmann für ein Studium am Staatlichen Bauhaus nach Weimar. 1925, das Bauhaus zog nach Dessau, lernte sie Josef Albers kennen und heiratete ihn noch im gleichen Jahr. In Dessau trat sie in die Werkstatt für Weberei am Bauhaus unter der Leitung von Gunta Stölzl ein. Anders als in der Malerei empfand sie in der künstlerischen Textilverarbeitung Freiheit. Ab 1931 leitete Albers als Nachfolgerin von Gunta Stölzl die Weberei am Bauhaus Dessau. Umso bemerkenswerter, dass beide Künstlerinnen die einzigen ‚Meisterinnen‘ unter zehn Männern blieben. Gropius hatte zwar von der absoluten Gleichberechtigung gesprochen, praktiziert wurde sie am Bauhaus jedoch nicht.

1933 emigrierten Anni und Josef Albers in die USA und gingen an das Black Mountain College in North Carolina. Anni Albers unterrichtete Weberei und arbeitete als selbständige Künstlerin. Albers erhielt zahlreiche Auszeichnungen und wurde auch durch große Ausstellungen geehrt, z.B. am Museum for Modern Art in New York.

In den 1960er Jahre experimentierte Albers mit abstrakter Druckgrafik als letzte Überlebende des Bauhauses.

 

Sarah Kofman

geboren am 14. September 1934 in Paris
gestorben am 15. Oktober 1994 in Paris

französische Philosophin

Sarah Kofmann wurde als drittes Kind (und dritte Tochter) des polnisch-jüdischen Ehepaares Fineza und Berek Kofmann (Rabbiner) in Paris geboren. Die achtköpfige Familie lebte streng nach den religiösen Vorschriften.

Traumatisiert wurde Sarah Kofman durch die Deportation ihres Vaters nach Auschwitz und seiner Ermordung. Mit ihren fünf Geschwistern wurde Sarah auf einen Bauernhof in die Normandie geschickt. Doch die Trennung von der Mutter war für sie unerträglich, so dass Fineza Kofman Sarah wieder nach Paris holte. In Paris wurde sie von einer christlichen Nachbarin versteckt, die sie pflegte, förderte und schützte. Eine Entfremdung zur Mutter und zur jüdischen Identität setzte ein, dass ihre Mutter eifersüchtig wahrnahm und Sarah wieder zu sich zurückholte. Ihre Geschwister überlebten den Krieg außerhalb von Paris. Sarah Kofman fühlte sich jahrelang zwischen den zwei Frauen hin- und hergerissen und versuchte den verbotenen Kontakt zur Nachbarin immer wieder nach dem Krieg aufzunehmen. Ihrer Mutter gegenüber entwickelte sie Hassgefühle.

Nach der Schule nahm Sarah Kofman ein Studium der Philosophie auf, wurde Assistentin des französischen Philosophen Derrida und gilt, neben Derrida, als wichtigste Vertreterin der Philosophie des Dekonstruktivismus.

Zeitlebens belasteten ihre Erfahrungen der Flucht ihre psychische Stabilität und ihre Versuche, die traumatischen Erfahrungen schreibend zu bewältigen, misslangen.

Sie nahm sich 1994 das Leben.

 

Ruth Klüger

verh. Ruth K. Angress
geboren am 30. Oktober 1931 in Wien
gestorben am 6. Oktober 2020 in Kalifornien

österreichisch-US-amerikanische Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin

Als Tochter eines jüdischen Frauen- und Kinderarztes in Wien geboren, erlebte Ruth Klüger bereits in der frühen Kindheit Antisemitismus und die systematische Ausgrenzung der Juden aus dem öffentlichen Leben. Vater und Halbbruder wurden später im Holocaust ermordet. Sie selbst wurde, 11-jährig, 1942 gemeinsam mit ihrer Mutter ins KZ Theresienstadt deportiert. Über das Familienlager des KZ Auschwitz-Birkenau gelangte sie dann nach Christianstadt, einem Außenlager des KZ Groß-Rosen. Hier gelang ihr 1945, kurz vor Kriegsende, die Flucht. Nach dem Krieg lebte sie mit ihrer Mutter im bayerischen Straubing.

1947 gingen beide Frauen in die USA. In New York studierte Ruth Klüger Bibliothekswissenschaften und Germanistik. Aus ihrer kurzen Ehe mit dem Historiker Werner Angress gingen die Söhne Percy und Dan hervor.

In den 1980er Jahren lehrte sie als Professorin an der Princeton University. 1988 folgte sie dem Ruf als Gastprofessorin an die Georg-August-Universität Göttingen. Ruth Klüger pendelte abwechselnd zwischen ihren Wohnorten Irvine und Göttingen.

Neben ihrer anerkannten Tätigkeit als Literaturwissenschaftlerin erhielt sie auch zahlreiche Auszeichnungen als Schriftstellerin.

 

Hilde Zadek

geboren am 15. Dezember 1917 in Bromberg; Posen (seit 1920 Polen)
gestorben am 21. Februar 2019 in Karlsruhe

österreichische Sopranistin

Hilde Zadek wurde am 15. Dezember 1917 in Bromberg geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Stettin. Sie ließ sich zunächst in Berlin zur Kinderkrankenschwester ausbilden. 1935 musste die Jüdin Zadek nach Palästina emigrieren. Am Konservatorium in Jerusalem absolvierte sie eine Musik- und Gesangsausbildung.

Sie debütierte am 3. Februar 1947 als Aida in einer Aufführung der Wiener Staatsoper im Theater an der Wien und wurde rasch zu einer wichtigen Säule des Ensembles. Zwischen 1947 und 1971 sang Hilde Zadek 39 Rollen in 37 verschiedenen Opern. Zu ihren glanzvollsten Partien zählten neben der Aida, die Tosca und die Ariadne in Richard Strauss' "Ariadne auf Naxos".

Außerdem sang Hilde Zadek die Donna Anna in Mozarts Oper "Don Giovanni" oder die Iphigenie in "Iphigenie auf Tauris" von Christoph Willibald Gluck. Sie gastierte unter anderem bei den Festspiele in Salzburg, an der Metropolitan Opera in New York oder im Royal Opera House in London.

1971 verabschiedete sie sich von der Bühne. Seitdem war sie in Österreich und international als Gesangslehrerin tätig und leitete unter anderem bis 1978 die Gesangsabteilung am Konservatorium der Stadt Wien.

 

Lucia Moholy

geb. Schulz
geboren am 18. Januar 1894 in Karolinenthal bei Prag/ Praha (heute Tschechien)
gestorben am 17. Mai 1989 in Zollikon bei Zürich (Schweiz)

österreichisch-ungarisch-britische Fotografin, Kunsttheoretikerin, Publizistin

Laut ihrer Geburtsurkunde war Lucia Schulz jüdischen Glaubens, erzogen wurde sie jedoch eher atheistisch in einem gut bürgerlichen Umfeld. Ihr Abitur besteht sie 1910 mit Auszeichnung, bald darauf erlangt sie die Lehrbefähigung als Englischlehrerin. Zeitgleich besucht sie Vorlesungen der Philosophie und Kunstgeschichte an der Prager Universität – und arbeitet in der väterlichen Kanzlei. Sie langweilt sich, das Verhältnis zum Vater ist angespannt und mit 21 Jahren verstößt sie gegen eine wichtige bürgerliche Regel: sie verlässt – unverheiratet – das Elternhaus. In Wiesbaden verdient sie ihren Lebensunterhalt als Redaktionssekretärin. Hin und wieder veröffentlicht sie Theaterkritiken und denkt über eine Fotografinnenausbildung nach. Doch sie findet keine Zeit.

1920 trifft sie in Berlin auf Lászlo Nagaly und gerät durch die Eheschließung immer mehr in seinen Schatten. Gleichzeitig fertigt sie eigene Arbeiten an, ist als Co-Autorin (ungenannt) bei seinen Schriften aktiv und stilisiert mit ihren Schwarz-Weiß-Aufnahmen die Arbeiten des Bauhauses. Sie setzt die Stühle von Marcel Breuer oder die Lampen von Wilhelm Wagenfeld unvergesslich in Szene. Walter Gropius nutzte ihre fotografische Kunst für seine Publikationen, doch er lehnte es ab, ihr einen Teil ihres Negativs-Archivs mit mehr als 500 Glasnegativen zurückzugeben. Nach einem jahrelangen Prozess musste Gropius die Glasnegative jedoch zurückgeben.

Ihren Ehemann unterstützte sie in einer nahezu symbiotischen Zusammenarbeit. Sie finanzierte letztlich beider Lebensunterhalt. 1929 trennten sie sich. Lucia Moholy arbeitete weiter erfolgreich als Freiberuflerin. Vor den Nazis floh sie 1934 mittellos nach London. Sie setzte sich immer wieder für die Rehabilitation des Bauhauses ein, die Glorifizierung des Bauhauses entsetzte sie hingegen. Sie stirbt mit 95 Jahren.

 

Simone Weil

geboren am 3. Februar 1909 in Paris
gestorben am 24. August 1943 in Ashfurd; Kent

französische Philosophin und Schriftstellerin

Die französische Philosophin und Mystikerin entstammte einem jüdischen, jedoch unorthodoxen Elternhaus und engagierte sich seit ihrer Gymnasialzeit in der revolutionären Gewerkschaftsbewegung.

Neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit im höheren Schuldienst machte sich Simone Weil nicht nur in theoretischer Hinsicht mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterklasse vertraut. Die Interessen der Arbeiterinnen, ihr Recht auf ein besseres Leben, auf Bildung, forderten ihr ganzes Engagement. Immer wieder trotzte sie ihrer zarten Gesundheit durch Arbeitseinsätze in Fabriken und auf dem Bauernhof, um so das Leben der Arbeiterinnen zu teilen.

Die Teilnahme an Kämpfen im Spanischen Bürgerkrieg und ein Erleuchtungserlebnis in Italien leiteten die Abwendung von marxistisch-anarchistischen Positionen und die Hinwendung zu einem religiös motivierten humanitären Engagement der Denkerin ein, die während des Zweiten Weltkriegs die intellektuelle Debatte in der Résistance mitgestaltete. Sie näherte sich dem Katholizismus an, ohne sich für eine Taufe oder für einen Kircheneintritt zu entscheiden.

Simone Weil führte ein unruhiges Leben. Die Widersprüche und geistigen Kämpfe wurden als miteinander unvereinbar gewertet. Doch aus heutiger Sicht und auf der Grundlage der feministisch-theologischen Tradition ist der Gedanke, dass Mystik und Widerstand zusammengehören vertraut.

Im Alter von 34 Jahren starb Simone Weil an den Folgen einer Lungentuberkulose und ihrer totalen körperlichen Erschöpfung.

 

Rosa Luxemburg

geboren am 5. März 1871 in Zamosc, Polen
ermordet am 15. Januar 1919 in Berlin

polnisch-deutsche Revolutionärin

Der Name der polnisch-deutschen Revolutionärin ist bis heute bekannt. Bereits als Schülerin engagierte sich Rosa Luxemburg in illegalen politischen Zirkeln. Erstmalig musste sie 1889 aufgrund ihrer politischen Haltung und Aktivitäten fliehen. In der Schweiz studiert sie und nimmt an Seminaren zur Staatswissenschaft, mittelalterlichen Geschichte und zur Geschichte der Wirtschafts- und Börsenkrisen teil.

Ihr politischer Mitstreiter war Karl Liebknecht. Zusammen waren sie (ab 1914) der Kopf der liberalen deutschen Liken. Beide wurden während des ersten Weltkriegs (gegen Frankreich im Westen und Russland im Osten) verhaftet, weil Luxemburg und Liebknecht diesen Krieg bekämpften. Die kriegstreibenden Parteien Deutschlands fürchteten sie.

Auf die Novemberrevolution von 1918 hatte sie weniger Einfluss als oftmals angenommen. Durch ihre Antikriegshaltung war sie in Deutschland berühmt geworden, aber sie verstand nicht, dass die Arbeiter zwar kriegsmüde, aber nicht kapitalismusmüde waren. Es entstand eine gewisse gegenseitige, zur Entfremdung führende Verständnislosigkeit: für die Arbeiter war der Kampf gegen den Kapitalismus nicht nachvollziehbar.

Im Januar 1919 griff eine kleine Gruppe von Berliner Arbeitern zu den Waffen – aus Solidarität standen Luxemburg und Liebknecht auf deren Seite. Luxemburg und Liebknecht wurden von Soldaten aufgegriffen, verhört, gefoltert und ermordet. Luxemburg wurde von ihren Mördern in ein Auto gestoßen und zu einem der großen Kanäle in der Berliner Innenstadt gefahren, erschossen und in den Kanal geworfen. Im Mai 1919 wurden Reste ihrer Leiche gefunden. Das brutale Lebensende machte Luxemburg zur Legende. Doch über ihre Person und ihre politischen Ziele wissen die wenigsten Menschen etwas zu sagen.

 

Gabriele Tergit

geb. Hirschmann, verh. Reifenberg
geb. 04. März 1894 in Berlin
gest. 25. Juli 1982 in London

deutsch-britische Journalistin und Schriftstellerin

Gabriele Tergit ist ein Pseudonym, das sich aus ihrem Spitznamen aus Kindheitstagen (Gabriele) und aus dem Anagramm des Wortes „Gitter“ zusammensetzt. Geboren wurde sie als Elise Hirschmann, Tochter der Eheleute Frieda und Siegfried Hirschmann, jüdischer Fabrikant und Gründer der deutschen Kabelwerke. Sie wuchs im jüdischen, großbürgerlichen Milieu Berlins auf, die damit verbundenen Erwartungen erfüllte Gabriele Tergit jedoch wiederholt nicht.

Gegen den väterlichen Willen besuchte sie die Frauenschule von Alice Salomon, um sich auf eine zukünftige soziale oder sozialpolitische Aufgabe für den Kampf um Gleichberechtigung der Frau im Berufsleben vorzubereiten.

Nach ihrem Abitur studierte sie ab 1919 und promovierte 1925. 1928 heiratet sie den Architekten Heinz Reifenberg. Aus der Ehe ging der Sohn Ernst Robert Reifenberg, ein in späteren Jahren anerkannter britischer Mathematiker, hervor. Tergit arbeitete als Gerichtsreporterin für die Vossische Zeitung und dem Berliner Tageblatt und bezieht bereits früh, in scharfem Ton, Position gegen den deutlichen Rechtsruck in der Rechtsprechung und im Alltag. Nach ihrer Flucht über die Schweiz bis nach Palästina geht die Familie nach London. Hier arbeitete sie beim PEN-Schriftstellerverband, Sektion London.

Tergits Schreibstil zeichnet sich durch eine lebendige Sprache aus. Sie weist sich als profunde Kennerin des Berliner Milieus. Ihre Romane belegen das. Ihre sozialkritische Perspektive hat die Gerichtsreportage zu einem eigenen literarischen Genre gemacht. Trotz einiger Besuche in Deutschland nach dem Krieg konnte sie nicht vergessen, was viele Deutsche vergessen wollten. Es dauerte tatsächlich bis in die 1970er Jahre hinein, dass sie einigermaßen mit ihrer ehemaligen Heimat ausgesöhnt war.

 

Hilde Domin

geb. Löwenstein
geboren am 27. Juli 1909 in Köln
gestorben am 22. Februar 2006 in Heidelberg

deutsche Lyrikerin, Autorin und Übersetzerin

Die Künstlerin wuchs in einem großbürgerlichen, jüdischen Haushalt auf. Später studierte sie Jura, Philosophie und politische Wissenschaften in Heidelberg, Köln und Berlin. In Heidelberg lernte sie im April 1931 Erwin Walter Palm, jüdischer Kaufmannssohn und Archäologiestudent kennen. Gegen den Willen ihrer Eltern folgte Domin ihm 1932 nach Italien. Mit der Machtergreifung Hitlers wurde der ausländische Studienaufenthalt zum Exil.

1936 heiratete Hilde Löwenstein Erwin Walter Palm. Ende der 1930er Jahre flohen die Palms über Paris nach Großbritannien. Im Sommer 1940 setzten sie ihre Flucht über Kanada nach Santo Domingo fort.

Ein Rückkehrstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ermöglichte es dem Paar 1953 nach Deutschland zurückzukehren. Seit 1954 benannte sich die Künstlerin nach dem Ort, an dem sie zur Dichterin wurde. Aus Hilde Palm wurde Hilde Domin.

Domin verfasste zahlreiche Gedichte, autobiografische Texte, einen Roman und poetologische, soziologische und literaturtheoretische Essays. Die Dichterin verfolgte das Konzept einer politisch engagierten, dialogischen Dichtung, deren Magie in ihrer Einfachheit steckt. Ihre Gedichte wurden in mehr als 25 Sprachen veröffentlicht, sie selbst mit vielen Preisen ausgezeichnet.

 

Hannah Senesh

geboren am 17. Juli 1921 in Budapest
gestorben am 7. November 1944 in Budapest

ungarische Widerstandskämpferin

Hannah Senesh ist die Tochter des jüdischen Schriftstellers Béla Szénes und seiner Frau Katharina Szénes. Ihr Vater starb, als sie sechs Jahre alt war. Sie war eine brillante Schülerin und kam deshalb auf eine protestantische Eliteschule - in der Jüdinnen das dreifache Schulgeld zahlen mussten.

Schon als kleines Kind möchte sie Schriftstellerin werden und las ihrer Mutter ihre Gedichte vor.

1939, kurz nach Kriegsausbruch, übersiedelt die 18jährige Hannah nach Palästina, um in einem Kibbuz zu arbeiten.

1944, Senesh war Teil einer palästinensisch-jüdischen Widerstandsgruppe, beteiligte sie sich am Auftrag, alliierte Piloten in Jugoslawien zu befreien. Vom Untergrund aus wollten sie jüdische Menschen retten.

Kurz nach Überquerung der ungarischen Grenze wurde Hannah Senesh von den Deutschen gefasst und in Budapest verhört. Sie wurde grausam gefoltert, schwieg trotzdem, um ihre Mutter zu schützen.

Senesh setzte ihr Leben im Widerstand gegen Hitler ein und wurde von den Nazis ermordet.

 

Sonia Delaunay

geb. Stern, gesch. Uhde
geboren am 14. November 1885 in Odessa
gestorben am 5. Dezember 1979 in Paris

französisch-ukrainische Malerin und Designerin

Sonia Delaunay studierte Malerei in Leningrad und anschließend in Deutschland. 1905 ging sie nach Paris. Hier heiratete sie 1910 den Maler Robert Delaunay. Mit ihm lebte sie während des Ersten Weltkriegs in Portugal und Spanien. Die schöne unbeschwerte Zeit in Südeuropa geht für Sonia Delaunay schlagartig zu Ende als die russische Revolution ausbrach und ihr dadurch die Unterstützung durch die reiche russische Verwandtschaft wegbricht. Sie verzichtet daraufhin für einige Jahre auf ihre Malerei und bestreitet bis zur Weltwirtschaftskrise mit ihrer Design–Boutique den Lebensunterhalt. 1930 wendet sich wieder der Malerei zu.

Sonia Delaunay war auf dem kunstgewerblichen Gebiet äußerst erfolgreich. Hier wendete sie die Prinzipien ihrer abstrakten Kunst konsequent auf Wandteppiche, Bucheinbände, Möbel, Vorhänge, Stoffe, Teller, Autos, Theaterbildern, Kartenspiele u.v.a. an. Sie gestaltete auf aufregend neue Art und Weise, ließ Dinge zu Kunstwerken werden.

Die Erfolge in der angewandten Kunst dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Delaunay seit 1910 in der modernen Malerei richtungsweisend war. So entwickelte sie gemeinsam mit Robert Delaunay den Kubismus zu einem abstrakten Farblyrismus.

 

Fanny Hensel

geb. Mendelssohn
geboren am 14. November 1805 in Hamburg
gestorben am 14. Mai 1847 in Berlin

deutsche Komponistin

Im Vergleich zu ihrem jüngeren Brüder Felix Mendelssohn wusste Fanny bereits im Alter von 14 Jahren, dass ihr der Weg zur Berufsmusikerin nicht offen stand. Dennoch erhielt sie zunächst genauso guten Musikunterricht wie Bruder Felix. Zeitlebens blieben die beiden Geschwister eng miteinander verbunden und beeinflussten sich gegenseitig. Reisen, Anregungen und Anerkennung als Musikerin blieben ihr als Frau jedoch verwehrt.

Sie sprach sich selbst ein gewisses Talent zu, weil der Mangel an äußerlichen Einflüssen ihre Begabung nicht verkümmern ließ.

Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Maler Wilhelm Hensel, öffnete sie sonntags ihre Berliner Wohnung für die „Sonntagsmusiken“: Hier wurden auch ihre eigenen Chor- und Orchesterwerke aufgeführt. 1846 wurden erstmals einige ihrer Werke gedruckt. 1976 nahm „Musik in Geschichte und Gegenwart“, das größte Musiklexikon der Welt, Fanny Hensel im Anhang auf.

Ihr kompositorisches Schaffen umfasst u.a. über 400 einzelne Stücke, Oratorien, Kantaten, Festspiele, Lieder und Klavierstücke.

 

Clara Immerwahr

verh. Haber
geboren am 21. Juni 1870 in Polkendorf, Schlesien
gestorben am 2. Mai 1915 in Berlin

deutsche Chemikerin und Pazifistin

Clara Immerwahrs Interesse an der Chemie wurde durch den Bestseller „Unterhaltungen über die Chemie“ (1806) geweckt und führte 1900 schließlich zur Promotion als erste Frau an der Universität Breslau. 1901 heiratete sie den Chemiker und späteren Nobelpreisträger Fritz Haber.

Während seine Karriere steil nach oben ging, fand sie sich in der Rolle der repräsentierenden, umsorgenden und höchstens zuarbeitenden Professorengattin wieder.

Anfang Mai 1915 erschießt sich Clara Immerwahr aus Protest gegen die von ihrem Mann geleitete chemische Massenvernichtung und deren unabsehbaren Folgen. Zwei Wochen vor ihrem Selbstmord waren auf französischer Seite bei Ypern mehr als 18.000 Soldaten durch den Einsatz von Chlorgas verreckt.

Die Gründe für den Suizid stuft die zeitgenössische Presse als unbekannt ein. Ihre spätere Biografin Gerit von Leitner spricht davon, dass sich Immerwahr in Abschiedsbriefen dezidiert zu ihren Beweggründen äußerte. Die Briefe, vom Hauspersonal gesehen, sind später nicht auffindbar.

1991 verlieh die Internationale Vereinigung der Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs erstmals die Clara-Immerwahr-Medaille.

 

Gisèle Freund

vorh. Girix
geboren am 19. Dezember 1908 in Berlin
gestorben am 31. März 2000 in Paris

deutsch-französische Fotografin und Soziologin

Gisèle Freund wurde durch ihre einfühlsamen Fotoreportagen und Portraits von Persönlichkeiten aus Kunst und Politik bekannt.

Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zwang sie 1940 zur Flucht von Berlin nach Frankreich, Süd- und Mittelamerika und von dort später wieder zurück nach Berlin.

1928 machte sie gegen den Willen ihrer Eltern Abitur und beginnt im Jahr 1929 ihr Studium der Soziologie und Kunstgeschichte. An ihrem Studienort Frankfurt am Main, erregt ihr politisches Engagement und ihre Beteiligung an Studentenprotesten den Zorn der Nationalsozialisten. Sie entzieht sich Ende 1933einer Verhaftung durch die Flucht nach Paris.

1935 promovierte sie mit summa cum laude in französischer Fotografie des 19. Jahrhunderts.

Seit 1954 arbeitete sie für Zeitschriften in Frankreich und Deutschland.

Sie gehört zu den bedeutendsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts.

 

Hannah Arendt

geboren am 14. Oktober 1906 in Hannover
gestorben am 4. Dezember 1975 in New York

Deutsch-US-amerikanische politische Philosophin

Die 1906 in Linder bei Hannover geborene Hannah Arendt wächst in Königsberg auf. Seit 1924 studierte sie Philosophie und Theologie und promivierte 1928 bei Karl Jaspers in Heidelberg.

Ihre wissenschaftliche Arbeit, die sie in Berlin fortsetzte, wurde durch die nationalsozialistische Machtübernahme unterbrochen. Sie half Flüchtlingen und Verfolgten und unterstützte die deutsche zionistische Organisation; obwohl sie selbst gefährdet war.

1933 wurde Arendt verschleppt, konnte jedoch nach Paris fliehen. Dort schloss sie sich einer Organisation an und engagierte sich in Frankreich für Emigrationsmöglichkeiten jüdischer Kinder.

Nach Kriegsbeginn wurde Arendt für eine Zeit in einem Internierungslager Gurs festgehalten. Im Mai 1941 gelang es ihr mit ihrem Mann und ihrer Mutter nach New York auszureisen. Dort schrieb sie für eine deutsch-polnische Zeitung polemische Artikel, um die Öffentlichkeit über die Judenverfolgung zu informieren und aufzurütteln.

Bald machte sich Arendt als polnische Philosophin der USA einen Namen und arbeitete an zahlreichen Universitäten.

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